Wenn ich bei politischen Interviews den „gegnerischen Hut“ aufsetze, was ich eigentlich immer mache – das entspricht ja meiner Rolle -, gibt’s gern auch mal Beschwerden. Befrage ich etwa Vertreter der SPD kritisch, ärgert das manche, die sich mit den Sozialdemokraten sehr verbunden fühlen. Befrage ich am nächsten Tag CDU- oder FDP-Vertreter kritisch, kann man sich ziemlich sicher sein, dass es auch von dieser Seite in irgendeiner Form Kritik gibt – nach dem Motto, da wäre doch wohl ein Interviewpartner von einer Journalistin mit linksgrünen Sympathien angegangen worden. Neu ist, dass systematisch behauptet wird, wir, also der gesamte öffentlich-rechtliche Rundfunk, seien parteilich. Dabei fallen auch üble Begriffe wie „linksgrünversifft“. Diese Vorwürfe kommen aus einem ganz bestimmten, sehr radikalen Spektrum und werden natürlich immer und immer wieder erhoben, um uns zu diskreditieren und uns die Glaubwürdigkeit zu nehmen – was bisher zum Glück noch nicht gelingt. Aber dieses Gift, das da einträufelt, das ist natürlich schon zu spüren.
Marietta Slomka, presseportal.de, 14.01.2026 (online)

