Das öffentlich-rechtliche Radio in Österreich glänzt mit einer sympathischen Überraschung. Das lineare Programm ist für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so etwas wie der Personenverkehr für die Deutsche Bahn ein notwendiges Übel. Wo letztere lieber ein internationaler Logistikkonzern sein wollte, sieht sich ersterer gerne als hippe Streamingplattform a la Netflix. Ob es dabei hilft, die 2017 als „ARD Audiothek“ gestartete Plattform ins maximal unspezifische „ARD Sounds“ umzubenennen, sei dahingestellt.
Da freut man sich, dass der österreichische Rundfunk ein neues lineares Format aus der Taufe hebt. Dort läuft immer montags um 21 Uhr „Die blaue Stunde“ zugegeben kein ganz taufrischer Titel. […]
Offensichtlich diskriminiert die „Blaue -Stunde“ -Redaktion nicht nach Alter. Warum sollte man sich im gebührenfinanzierten Radio auch auf das marketinggetriebene Alterskohortenbashing einlassen?
Das Schöne an diesem Format ist, dass es sich auf das besinnt, was das lineare Radio kann, wenn es sich nicht dem Diktat des „audience flow“ unterwirft. Es kann formal wie inhaltlich überraschen.
Die „Blaue Stunde“ beweist: Texte, Songs, Klangkunst können problemlos nebeneinanderstehen und sich bestenfalls gegenseitig erhellen, auch „inmitten der bürgerlichen Dämmerung“, in der der ORF sein neues Format verortet.
Jochen Meißner, KNA, 26.03.2026 (online)

