Geboren, um zu fälschen, oder ‒ der geborene Fälscher. Das könnte Michael Born gewesen sein, der Pseudojournalist, der vor sieben Jahren starb und den heute keiner mehr kennt, der aber Mitte der Neunzigerjahre einen der größten Skandale der deutschen Fernsehgeschichte heraufbeschwor.
An die dreißig Beiträge, an denen wenig bis nichts stimmte, hatte er bei verschiedenen Magazinen untergebracht, vor allem bei „Stern TV“. Sie erschienen spektakulär und waren genau das, was die sensationsgeilen Fernsehmacher wollten. Da gab es Bilder vom Ku-Klux-Klan in der Eifel, von der PKK beim Bombenbau, von kleinen Kindern in Indien, die für europäische Hersteller Teppiche weben, von aus England importierten BSE-Rindern, von einem Katzenjäger oder von Drogenabhängigen, die an einer Kröte lecken, deren Sekret sie angeblich high macht. Das war alles gestellt – ein „Fake“, wie Born selbst sagte und meinte, nur etwas nachgeholfen, aber keine Fälschungen verbreitet zu haben. Denn wo es kein Original gebe, könne auch keine Fälschung existieren. Der Filmemacher lieferte Fiktion. Die allerdings wurde den Zuschauern als Wahrheit verkauft, als Abbild der Realität. Und das hatte gravierende Folgen.
Michael Hanfeld, faz.net, 27.05.2026 (online)

