Wer aus Protest wählt, wählt rechts? Wer an der Macht ist, wird abgestraft? Der Aufstieg der in Teilen rechtsextremen FPÖ ist unaufhaltsam? Elke Kahr widerlegt gleich mehrere Annahmen. […]
Mit fast 36 Prozent wurde Elke Kahr im Amt der Bürgermeisterin bestätigt. Das Plus von sieben Prozent verdankt sie zu einem nennenswerten Teil vormaligen Nichtwählerinnen und Nichtwählern. Mit diesem Ergebnis widerlegt sie mehrere politische Annahmen: Wer aus Protest wählt, wählt rechts. Wer an der Macht ist, wird abgestraft. Und sie widerlegt, dass der Aufstieg der in Teilen rechtsextremen FPÖ, die die Steiermark regiert, unaufhaltsam ist. Auch dieser Partei luchste die 64-Jährige Stimmen ab. […]
Elke Kahr hat gemeinsam mit den Grünen und der SPÖ bislang skandalfrei und ohne großes Postengeschacher regiert. Vor allem mit ihrer Kollegin von den Grünen, Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, die die Ressorts Verkehr und Grünraum innehat, haben zwei Politikerinnen sachorientiert und frei von Geltungsdrang zusammengearbeitet. […]
Vieles davon spüren die Menschen im Alltag. Das ist für mich die wesentliche Erkenntnis der Graz-Wahl: Die Kommunen könnten mit ihren Zuständigkeiten in der Daseinsvorsorge das Vertrauen in die Politik grundlegend stärken. Vertrauen darin, dass Politik das Leben aller besser macht.
Nava Ebrahimi, sueddeutsche.de, 10.07.2026 (online)

