Die „Bunte“ muss mal wieder einen Artikel erheblich schwärzen: diesmal zu einem angeblichen Interview mit Schauspielerin Sibel Kekilli. Über das Geschäft mit dem kalkulierten Rechtsbruch. […]
Wer sich ein bisschen länger mit der Sache beschäftigt, beginnt zu verstehen, dass eine Print-first-Strategie Sinn ergibt aus Bunte-Sicht, auch wirtschaftlich. Sie hat den Vorteil, dass man zunächst alles Mögliche behaupten, bebildern, versprechen und abdrucken kann. Hinterher korrigieren geht immer und tut, abgesehen von den Anwaltskosten, auch fast nicht weh. Das Kioskpublikum reagiert auf starke Reize. […]
Die Bunte kann es gut verschmerzen, wenn sie Sibel Kekilli am Schluss vielleicht tausend Euro überweisen muss, wenn sie davor mit ihrem Namen und einem falschen Versprechen tausend Hefte verkauft hat. Dieses Geschäftsmodell ist stabil, weil viele daran verdienen: Der Burda-Verlag, die Anwaltskanzlei, die den Burda-Verlag abmahnt, die Anwaltskanzlei, die sich im Auftrag vom Burda-Verlag mit der Abmahnung auseinandersetzt. Verlieren tun eigentlich nur die Menschen, die sich gegen die Berichterstattung wehren müssen. Und natürlich alle Leserinnen und Leser mit Bunte-Digitalabo.
Bernhard Heckler, sueddeutsche.de, 21.08.2026 (online)

