Es lenkt von den wichtigen Problemen ab. […] Die Indikatoren für Qualität sind klar definiert. Die Berechnung der «Gesamtqualität» ist zwar komplex und etwas willkürlich, aber nachvollziehbar.
Unklar bleibt, ob das Jahrbuch tatsächlich misst, was es zu messen vorgibt. Die entscheidende Frage, wie Qualität gemessen wird, geht bei den Präsentationen des Fög und in Medienberichten gern unter. 2025 zog eine Vertiefungsstudie über sogenannte «News-Deprivierte» fast die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Auch in der neusten Ausgabe 2026 lenkt eine Vertiefungsstudie von den methodischen Problemen des Jahrbuchs ab. […]
Die Indikatoren erfassen die Qualitätsdimensionen zwar akribisch, aber nur extrem partiell und oberflächlich. In den Ergebniskapiteln wird trotzdem unbekümmert von «Gesamtqualität» gesprochen. Es fehlen Hinweise, dass die Ergebnisse auf extrem eingeschränkten Kriterien beruhen. Viele Aussagen gehen deshalb über das wissenschaftlich Zulässige hinaus. Die Darstellung suggeriert eine Aussagekraft, die nicht vorhanden ist. Tatsächlich sagt die Qualitätsmessung wenig aus, weil wichtige Aspekte der Qualität fehlen.
Die hochtrabenden Bezeichnungen wie «Beitragsrelevanz», «Interpretationsleistung» und «Quellentransparenz» lenken auch von zentralen Problemen ab, die überhaupt nicht erfasst werden. Diese Problembereiche sind insbesondere:
- Extreme Abhängigkeit der Auslandnachrichten von grossen Quellen, die wirtschaftlichen und strategischen Interessen der USA nahestehen. Zum Beispiel die US-Regierung, Presseagenturen, US-Zeitungen und US-Thinktanks.
- Einseitigkeit und Voreingenommenheit aufgrund westlicher und liberaler Interessen und kultureller Prägungen.
- Weitgehend fehlende Transparenz hinsichtlich Abhängigkeiten, Interessen und ideologischer Ausrichtung – der Eigentümer, der Medienschaffenden und der Quellen.
Felix Schläpfer, Infosperber, 27.10.2026 (online)
