Wenn Männer zum Beispiel zu „weich“ wirken, erfahren sie ebenso soziale Ausgrenzung und Schmerz, vielleicht nicht in dem Umfang, wie es Frauen erleben, die nicht dem medialen Bild entsprechen. Wir leben in einem System, in dem Menschen nicht frei und nach eigenen Vorstellungen leben können, manchmal gar nicht wissen, was ihre Vorstellungen sind. Deshalb finde ich, dass der Diskurs weg muss von Körperbildern. Es darf nicht darum gehen, wie welcher Körper aussieht, sondern wie frei wir sind in unseren Entscheidungen. Freiheit hat sich in Wellen entwickelt, gerade befinden wir uns in einer Rückwärtsbewegung. Das Patriarchat schlägt zurück, doch auch das ist ein Zeichen von Entwicklung. Die Welle lässt sich nicht aufhalten. Die Frage ist, wie weit es jetzt zurück in den Ozean geht – und wann wir wieder ans Land kommen.
Karoline Herfurth, sueddeutsche.de, 19.02.2025 (online)