Unternehmen orientieren sich immer dorthin, wo das Geld herkommt. Wenn es aus dem Budget kommt, besteht die Gefahr, dass sich der ORF noch mehr Richtung Politik orientiert. Er muss sich aber mehr Richtung Publikum orientieren. Wenn Menschen die Haushaltsabgabe bezahlen, müssen sie aber gehört werden, abgebildet werden, sich ernst genommen fühlen: Sie zahlen dafür, also sollen sie mitreden. […]
Was mich irritiert: Wenn man den ORF neu und sinnvoll aufstellen will, dann muss man doch zuerst klären, was die Aufgabe des ORF ist. Dann ist zu klären, in welchen Führungs- und Aufsichtsstrukturen man das am besten umsetzt. Und erst dann klärt man, wie viel Geld man für diese Aufgabe braucht. Beim Geld zu beginnen, ist einfach unseriös. […]
Wer eine Budgetfinanzierung als die ideale Lösung präsentiert, will es sich leicht machen und sich vor Debatten drücken. Die Hoffnung ist wohl, wenn die Haushaltsabgabe vom Tisch ist, merken die Menschen nicht, dass sie für den ORF schlussendlich doch bezahlen, und dann regt sich auch niemand mehr auf. Jedenfalls nicht mehr darüber, dass der ORF etwas kostet.
Henrike Brandstötter, derstandard.at, 09.09.2026 (online)

