Zitiert: Der Vertrauensverlust gegenüber Medien ist längst selbst zu einem politischen Faktor geworden

Die übliche Frontstellung greift zu kurz: hier der angebliche „Mainstream“, dort die misstrauisch beäugten „alternativen Medien“. Entscheidend ist das journalistische Verfahren: Werden Nachricht und Meinung getrennt? Werden Gegenpositionen fair abgebildet? Und traut eine Redaktion ihren Lesern zu, selbst zu urteilen? […]

Institutionen können plural organisiert sein und beim Publikum dennoch Gleichförmigkeit erzeugen. Umgekehrt können alternative Medien Gegenrede versprechen und selbst in Echokammern geraten. Der Vergleich der sechs Positionen zeigt: Die Trennlinie verläuft nicht sauber zwischen öffentlich-rechtlich und privat, etabliert und alternativ, links und rechts. Sie verläuft zwischen Journalismus, der Auswahl und Maßstäbe sichtbar macht und Journalismus, der die eigene Perspektive für die Wirklichkeit selbst hält. […]

Völlige Perspektivlosigkeit gibt es nicht. Daraus folgt aber nicht, dass alles Meinung sein darf. Gerade weil Auswahl unvermeidlich ist, werden handwerkliche Regeln wichtiger: Fakten vor Wertung, Bericht und Kommentar erkennbar trennen, Gegenargumente nicht karikieren, Fehler korrigieren, Unsicherheit kenntlich machen. […]

Wer berichtet, muss nicht meinungslos sein. Aber er sollte dem Leser die eigene Haltung nicht als Endpunkt der Erkenntnis verkaufen. Die stärkste Form des Journalismus ist nicht die richtige Meinung, sondern die Zumutung einer Wirklichkeit, die vollständig, widersprüchlich und offen genug bleibt, damit am Ende nicht die Redaktion, sondern der Bürger urteilt.

Ralf M. Ruthardt, berliner-zeitung.de, 04.09.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)