KI-Systeme wie ChatGPT können Perspektiven verzerren – ein Risiko, das Europas Regulierung bislang nur teilweise erfasst […]
Die Autoren identifizierten mehrere Ursachen für kommunikative Verzerrungen in großen Sprachmodellen. Eine wichtige Rolle spielen Trainingsdaten, in denen bestimmte Perspektiven stärker vertreten sind als andere. Auch Entscheidungen beim Training und Feintuning der Modelle beeinflussen, welche Argumentationsmuster bevorzugt werden.
Hinzu kommt eine weitere Eigenschaft vieler Sprachmodelle: Sie neigen dazu, sich an Erwartungen oder Positionen von Nutzer*innen anzupassen – ein Effekt, der in der Forschung als Sycophancy bezeichnet wird. Da diese Einflüsse häufig kontextabhängig und schwer messbar sind, lassen sich solche Verzerrungen bislang nur begrenzt systematisch erfassen. […]
Kommunikationsbias ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Thema an der Schnittstelle von Technikdesign, Marktstruktur und Regulierung.
Nach Einschätzung der Autoren setzen die bestehenden europäischen Regelwerke zwar wichtige Standards für Transparenz, Sicherheit und Rechenschaft. Die kommunikative Wirkung großer Sprachmodelle wird jedoch bislang meist nur indirekt adressiert. Sie betonen zudem, dass große Sprachmodelle zunehmend als eigenständige Untergruppe von KI-Systemen zu betrachten seien. […]
Der AI Act konzentriert sich vor allem auf Pflichten entlang der Entwicklungs- und Bereitstellungskette von KI-Systemen. Der Digital Services Act greift insbesondere dort, wo bereits konkrete systemische Risiken oder problematische Inhalte sichtbar werden. Kommunikationsbias erscheint damit eher als Nebenfolge anderer Regulierungsmechanismen als eigenständiges Problem öffentlicher Kommunikation.
„Wer Risiken durch Sprachmodelle wirksam begrenzen will, darf nicht nur auf Verbote oder Einzelfallmoderation setzen“, sagt Adrian Kuenzler. „Es braucht ein Informationsökosystem, in dem Vielfalt, Nachvollziehbarkeit und Wettbewerb technisch, regulatorisch und institutionell mitgedacht werden.“
Barbara Halstenberg, TU Berlin, 01.04.2026 (online)

