Alles, was von der israelischen Armee kommt, wird ohne Nachfrage abgedruckt, und alles von palästinensischer Seite wird komplett diskreditiert und in den Konjunktiv gesetzt. Das ist absurd. Sprache ist da ganz wichtig (…) Immer wenn Palästinenser etwas machen, ist das im Aktiv. Aber wenn Palästinenser getötet werden, kommt es ins Passiv. Von wem getötet? Ist das eine Naturkatastrophe, die wir im Gazastreifen erleben? Das ist faszinierend, wie Sprache verwendet wird. […]
Ich habe viele Preise gewonnen und das Goldene Ehrenzeichen der Republik erhalten. Und das immer mit dem Argument, ich sei nahe an den Menschen dran. Das zweite Argument war die Rolle des Brückenbauers zwischen meiner Region und Österreich. Wenn ich solche Geschichten zum Beispiel in Syrien mache, nachdem Bashar Al-Assad gestürzt ist, finden das alle gut. Wenn man das mit Palästinensern macht, die in manchen Kreisen komplett entmenschlicht sind, und ihnen im Gazastreifen Namen und Gesichter gibt, dann wird man dafür kritisiert, wofür man an anderen Orten gelobt wird. Das ist manchmal absurd. […]
Es wird immer das gleiche Register gezogen und man wird als Judenhasser, Antisemit und Hamas-Freund diffamiert. Nur, weil man über Menschen als Menschen berichtet. Und weil man darüber genauso kritisch berichtet wie über jeden anderen Konflikt. Meine Aufgabe als Journalist ist es, zu hinterfragen, was eine Kriegspartei, was ein Sprecher einer Armee sagt. Und nachzuschauen, ob das der Wirklichkeit entspricht oder nicht. Diese Dinge sollten wir als Journalisten immer machen, sie wurden aber im Falle Israels zumindest am Anfang oft über Bord geworfen.
Karim El-Gawhary, derstandard.de, 04.07.2026 (online)

