Zitiert: Drehbücher aus der Hölle

Wie kann in Deutschland so viel schlechtes Fernsehen entstehen? Es hat mit der Geringschätzung von Autoren zu tun. Die ZDF-Serie „My Ex“ mit Palina Rojinski zeigt, zu welchem Unsinn das führt. […]

Es sind zwei öffentlich-rechtliche Serien aus den letzten Monaten, die auf so markante Art misslungen sind, dass sie einen tiefen Einblick erlauben in ein System, das verzweifelt um seine Zukunft kämpft – dabei aber so ungeschickt agiert, dass es am Ende nur seinen eigenen Niedergang beschleunigt. Die eine Serie ist „My Ex“, gerade auf ZDF Neo gestartet und das, was man ein „Influencervehikel“ nennen könnte: eine romantische Komödie, mit kalter Logik herumgebaut um die Followerzahlen der Hauptdarstellerin (Palina Rojinski, drei Millionen allein auf Instagram) und mehrerer Gaststars – unter anderem Caro Daur (4,5 Millionen), die sicher keine überragende Schauspielerin ist, hier aber von Buch und vor allem Regie so sehr alleingelassen wird, dass es schon an Mobbing grenzt. […]

Die andere Serie ist „Mozart/Mozart“, eine Art öffentlich-rechtliches „Bridgerton“: alternativ-historisch, feministisch und mit kulturellem Anstrich – vom Produzenten von RTLs „Sisi“-Serie für die ARD erschaffen. Dort schickte man es kurz vor Weihnachten auf den Sender und in die Mediathek – offenbar in dem Glauben, einen veritablen Hit für die Feiertage in der Hand zu haben.

Aber, leider: auf einem derart wackeligen Fundament von Drehbüchern gebaut, dass man sich tief im Bereich von Fahrlässigkeit befindet. […]

Die Serien vereint, was ihnen fehlt: Autorenschaft. […] Die Antwort ist deshalb so wichtig, weil sie etwas ganz Grundsätzliches offenlegt: wo jemand, der mit dem Verkaufen oder Senden von Serien sein Geld verdient, überhaupt mit dem Suchen beginnt, wenn es um Nachschub geht.

Stefan Stuckmann, sueddeutsche.de, 19.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)