Vielleicht wird klassisches Fernsehen in gewisser Hinsicht zur Playlist – und das ist für viele, die gerade nicht aktiv durch einen digitalen Streaming-Katalog scrollen wollen, okay so.
Es gibt das vielbemühte Bild vom Lagerfeuer der Nation, dessen Erlöschen insbesondere jene wortreich beklagt haben, die lange besonders hell davon angestrahlt wurden. Aber dass da auch außerhalb des Heiligen Samstagabends nix mehr lodert, ist ja nicht nur den veränderten Gewohnheiten des Publikums geschuldet.
Die Sender haben selbst kräftig mitgeholfen, die Restglut auszulöschen, indem sie rund um die bisherige Feuerstelle eine neue Wärmelampe nach der nächsten aufgestellt haben. Vor der sich nun jedes Zielgrüppchen separat versammelt. Bis ein paar Mal im Jahr – für die nächste WM oder das neue „Wetten dass..?“ – wieder ein richtig großes Freudenfeuer angezündet wird.
Von der Verabredung zur Infrastruktur
Wahrscheinlich ist das – okay. Das Fernsehen ist immer noch da. Es funktioniert nur grundlegend anders als früher. Das ist keine schlagartige Entwicklung, sondern hat sich seit Längerem angeschlichen. Ein Medium, das früher Ereignis und Verabredung war, ist heute ein Stück weit Infrastruktur.
Peer Schrader, dwdl.de, 19.07.2026 (online)

