Der Rundfunk muss die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger stark und verbindlich einbeziehen. Ihn weiter politischen Freundeskreisen zu überlassen, wäre fatal. Die Zeiten haben sich geändert
Wem gehört der ORF wirklich? Formal ist er eine Stiftung des öffentlichen Rechts ohne klassische Eigentümer. Seinen normativen Anspruch könnte man auf die Formel bringen: „Von allen, für alle, über alle.“ Öffentlich-rechtliche Medien sind demnach „unsere Medien“ – wir finanzieren sie, wir sind ihre Auftraggeberinnen und Auftraggeber, ihre Teilhaberinnen und Teilhaber. In der Realität jedoch gehört der ORF jenen, die ihn politisch kontrollieren. Parteien entscheiden, wen sie in den Stiftungsrat entsenden – und damit, wer Generaldirektor oder Generaldirektorin wird. Dieser bestimmt wiederum, welche Chefredaktionen wie besetzt werden und welche Organisationskultur vorherrscht. […]
Beteiligungsverfahren sind eine Chance – aber auch eine Versuchung: sie als bloße Legitimationsveranstaltung zu nutzen. Folgenlose Partizipation mündet in politischer Frustration. Ein Prozess, dessen Empfehlungen danach in der Schublade verschwinden, richtet mehr Schaden am Institutionenvertrauen an, als wenn man gar nichts gemacht hätte.
Leonard Novy Milo Tesselaar, derstandard.de, 25.03.2026 (online)

