Dies ist, aus gegebenem Anlass, ein Plädoyer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dies ist ein Loblied auf seine vielen Sendungen, die zeigen, wie aufregend, wie spannend und prickelnd Demokratie sein kann. Dies ist ein Loblied auf ein Radio und auf ein Fernsehen, das nicht von Werbekunden und nicht von Milliardären abhängig ist und das verlässliche Information bietet. Dieses Loblied ist kein Fangesang wie im Fußballstadion. Es verteidigt nicht die byzantinischen Verwaltungs- und Personalstrukturen, nicht die Intransparenz der Gremien, nicht die Fehler bei der Berichterstattung. Dies ist eine Hommage an eine Institution, die Renovierung und Reformen braucht, aber keine Abrissbirnen. ARD, ZDF und Deutschlandradio verdienen ihren verfassungsrechtlich privilegierten Platz im Mediensystem.
Der gegebene Anlass für diese Feststellung ist nicht die soeben erfolgte Wiederwahl des ZDF-Intendanten Norbert Himmler. Der gegebene Anlass hat vor knapp zwei Wochen in der Schweiz stattgefunden; und er wird noch lange nachwirken: In einer Volksabstimmung haben die Schweizer eine radikale Senkung der Rundfunkgebühren mit großer Mehrheit abgelehnt. Die sogenannte Halbierungsinitiative wollte dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk als einer potenten demokratischen Kraft den Garaus machen. Dieser Versuch von rechtspopulistischen Kräften ist gescheitert. Das hat politische Strahlkraft für die deutsche Rundfunkdebatte.
Heribert Prantl, sueddeutsche.de, 18.03.2026 (online)

