Wer 40 Jahre lang im Journalismus tätig ist, hat zahlreiche technologische Umbrüche miterlebt. Am Anfang waren da noch die lauten Redaktionsstuben, in denen das Klappern der mechanischen Schreibmaschinen den Takt der Nachrichtenproduktion vorgab. Dann kam der Umbruch zu elektronischen Redaktionssystemen. Es folgte der Übergang von der Analog- zur Digitalfotografie, bei dem die Dunkelkammer Speicherkarten und Bildbearbeitungsprogrammen weichen musste, was entsprechende Manipulationen möglich machte, die indes zuvor auch nicht ausgeschlossen waren.
Die moderne Textverarbeitung etablierte sich, schnelles Umbauen und auch das Kopieren von Texten wurde möglich. Schließlich schien die Disruption des Internets den Schlusspunkt zu setzen. Doch weit gefehlt.
Im Zuge dieser Veränderungen gibt es immer wieder Warner, die den Untergang des journalistischen Handwerks befürchten. Aber der richtige Weg war nie Verweigerung, sondern die kluge Aneignung. Es galt stets, die neuen Werkzeuge zu beherrschen, um das eigene Handwerk zu verbessern und das Geschäft betriebswirtschaftlich wettbewerbsfähig zu halten.
Die KI ist nun der nächste und bisher gewaltigste Schritt in dieser Kette. Der richtige Weg aber ist auch hier der bewusste und von Menschen kontrollierte Einsatz von KI im redaktionellen Alltag. Eine moderne Redaktion muss lernen, ein „Chef“ für die KI zu sein.
Carsten Knop, faz.net, 17.06.2026 (online)

