Es fragt sich natürlich auch, wie es zu dieser dramatischen Verwahrlosung in der Ausbildung des Nachwuchses kommen konnte. Denn insbesondere ab 1990 galt die Journalistenausbildung hierzulande als vorbildlich. Das hatte hauptsächlich damit zu tun, dass 1990 die Volontärausbildung flächendeckend durch Tarifverträge geregelt war – worum lange gekämpft wurde.
Gleichzeitig entdeckten journalistische Bildungsstätten und Universitäten den sogenannten Schaumkrönchen-Journalismus, um doch noch Geld mit journalistischer Bildung zu machen. In Kursen zum Online-Kultur-Journalismus wurden weder journalistische Grundkenntnisse noch kulturelle Fachkenntnisse vermittelt. Die Teilnehmer lernten vor allem, wie man sich mit seinem Smartphone und Selfiestick selbst in Szene setzt. Dass in einer Story zuerst Inhalte und dann erst der Verbreiter dieser Inhalte wichtig sind, wurde irgendwie vergessen.
Peter Welchering, berliner-zeitung.de, 20.10.2026 (online)
