Einordnungen sind aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil von Moderationen. Eine Sendung wie das „auslandsjournal“ soll, anders als eine reine Nachrichtensendung, den Blick auf die Geschichten hinter den Nachrichten lenken und zum Entdecken neuer Standpunkte einladen. Das geschieht hauptsächlich in den Beiträgen unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten und wird bestenfalls gut eingerahmt von Moderationen, die auch einordnen. […]
Ich glaube, Verständlichkeit ist ein großer Faktor. Für meine Moderationen bedeutet das: Wenn ich bei einem komplexen Thema drei Aspekte auslassen muss, damit die zwei wichtigsten verständlich sind, dann tue ich das. Damit zeichne ich vielleicht in der Moderation nicht das ganze Bild. Aber an der Stelle ist es mir wichtiger, wenige Informationen gut rüberzubringen, als viele, die nur vorbeirauschen. Und das gilt an vielen Stellen auch für Beiträge, Dokumentationen oder andere Formen, in denen wir die Weltlage analysieren: Je komplexer das Thema, desto wichtiger der verständliche Blick aufs Detail. Das heißt am Ende: Wer diese komplexe Welt verstehen will, darf nicht auf den einen Film warten, der alles erklärt, sondern muss am Ball bleiben und sich vielseitig informieren. Nur so wird aus den zahlreichen Standpunkten und täglichen Entwicklungen das ganze Bild. […]
Was man nicht belegen kann, ist zwangsläufig Meinung. Zugleich reicht ein Beleg allein nicht aus, um aus einer Meinung eine Analyse zu machen. Für mich stellt eine Analyse Zusammenhänge möglichst objektiv dar und kommt zu einer ebenfalls möglichst objektiven Schlussfolgerung – die mit einer klaren Haltung verbunden sein kann. Als Journalistin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist dies keine politische Haltung, sondern eine grundsätzliche: Ich stehe ein für die Normen und Ideale des Grundgesetzes, der Menschenrechte und des internationalen Regelwerks, dem sich unsere Demokratie verpflichtet fühlt. Aus dieser Warte schaue ich auf Äußerungen und Handlungen politisch Verantwortlicher und auf Entwicklungen in unserem Land und in der Welt.
Shakuntala Banerjee, quotenmeter.de, 16.02.2026 (online)

