Zitiert: Fehlende Medienkritik

An sich wäre es eine gute Nachricht, dass Medienkritik verbreitet ist. Medienkritik ist ja nichts Zerstörerisches oder Gemeines, sondern der Normalfall einer liberalen Gesellschaft. Wenn Medien ein wichtiger Gesellschaftsplayer sind – und davon gehen zumindest Journalistinnen und Journalisten meiner Einschätzung nach tendenziell aus, sonst hätten sie einen aus ihrer Sicht unwichtigen Beruf gewählt –, dann müssen sie beobachtet und im Guten wie Schlechten kritisiert werden.

Allerdings liegt eine kontinuierliche, thematisch breite, nicht auf die Bestätigung bestimmter Wählerklientels abgestimmte Medienkritik nach meiner Einschätzung eher weniger im Trend.

In den Öffentlich-Rechtlichen ist Medienkritik ein Nischenprogramm. „Zapp“, die Mediensendung des NDR, oder das „Medienmagazin“ des RBB-Hörfunks haben in den vergangenen Jahren/Monaten zudem noch an Prominenz im Programm verloren. Im ZDF-Hauptprogramm gibt es gar kein regelmäßiges medienjournalistisches Format.

Beim Deutschlandradio wird derzeit über eine Strukturreform diskutiert, die nicht nur, aber auch das Medienmagazin betreffen könnte. […]

Meiner Erfahrung nach braucht es, ganz allgemein und unabhängig von den Deutschlandradio-Reformvorhaben gesagt, definierte Ausspielflächen, damit es kontinuierliche Berichterstattung jenseits bestimmter thematischer Peaks gibt. Eine Zeitung ohne regelmäßige Literaturseite wird sich weniger tief mit Literatur jenseits der Bestsellerlisten beschäftigen als eine Zeitung mit Literaturseite. Und dasselbe gilt für Medienjournalismus und damit Medienkritik: Wer sie wichtig findet, wird ihr einen klaren Platz geben müssen.

Klaus Raab, MDR Altpapier, 01.06.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)