Genug Budget, um Inhalte zu generieren, die für diese jungen Menschen attraktiv sind. Und nicht zu denken, dass sich jeder in der Zielgruppe für jedes Thema interessiert. Ich weiß nicht, wie deine Erfahrung war, aber in meinem Umfeld hat sich mit 15 niemand für Politik interessiert. Du interessierst dich für Themen des Lebens, für gesellschaftlich relevante Themen vielleicht, wenn Leute etwas aufarbeiten, was in deiner Welt stattfindet. Du kannst den Leuten aber nicht oktroyieren, dass sie sich jetzt für Geopolitik begeistern sollen. Das führt dazu, dass tolle Formate, die fantastisch funktionieren, eingestampft werden, weil sie eine ältere Zielgruppe erreichen als von Funk vorgesehen. Beispiele sind die Formate „Walulis“ und „Crisis – Hinter der Front“.
Der Gedanke, Menschen vom jungen bis ins mittlere Alter zu begleiten und ihnen weiterhin passende Angebote zu machen, existiert eigentlich nicht. Stattdessen gibt es dann nur noch die ältere Zielgruppe, die linear im Fernsehen etwa mit Tatorten versorgt wird. Umgerechnet entsprechen etwa 27 Tatorte dem kompletten Funk-Budget. Das ist doch absurd. Gleichzeitig entsteht eine Lücke zwischen etwa 30 und 50 Jahren. Diese Gruppe wird höchstens lose mitgedacht, aber es gibt kein konkretes Angebot für sie. Genau das ist aber meine Zielgruppe: Menschen, die mit YouTube aufgewachsen sind und jetzt in diesem leeren Raum sitzen. Das wirkt insgesamt sehr schlecht durchdacht. Wenn eine Marke fast zehn Jahre existiert, ist doch klar, dass auch ihre Zielgruppe älter wird. […]
Fast alle Leute, mit denen ich dort konkret zu tun hatte, sehen das. Sie erleben täglich, wie schwierig und absurd die Situation ist. Ich glaube, ich würde ausrasten, wenn ich bei Funk verantwortlich wäre und ein Produkt aufbauen würde, das eigentlich fantastisch funktioniert – das man dann aber verlassen oder aufgeben muss.
Alexander Prinz, Übermedien, 12.03.2026 (online)

