Der Gen Z geht es um das mangelnde Versprechen von Zukunft. Und: Gerade die Boomer dürften dieses Gefühl der Krise und Ohnmacht aus ihrer Kindheit und Jugend kennen. Der Mauerbau teilte 1961 endgültig das Land. Der Kalte Krieg führte die Welt in der Kubakrise 1962 an den Rand eines Atomkriegs. Die 68er brachten die Studentenrevolte hervor, schon 1965 gingen Tausende gegen den Bildungsnotstand auf die Straße. Mit der Ölkrise 1973 stieg die Arbeitslosigkeit abrupt. Auf den Nato-Doppelbeschluss von 1979 folgten die Angst vor dem Atomtod und die Friedensbewegung, Kriegsdienstverweigerung wurde zu einem Massenphänomen. Die 80er-Jahre prägte das durch sauren Regen hervorgerufene Waldsterben.
Es gibt also Parallelen zwischen damals und heute. „No Future“, der Slogan der Punkbewegung, könnte 50 Jahre später noch mal so gelten. Und auch Billy Joels Song „We Didn’t Start the Fire“ hat einen Refrain, der heute bei vielen jungen Menschen Resonanz hervorrufen dürfte: Eine Welt vorzufinden, die brennt, und nein, sie haben das Feuer nicht entfacht.
Was daraus folgt, ist einfach. Boomer, Gen Z: Diese Labels sind kaum etwas wert.
Sara Maria Behbehani, sueddeutsche.de, 01.11.2026 (online)
