In dem Zusammenhang sei der „Hauptstadtjournalismus“ zu einem populären Genre geworden, das eher von Generalist:innen als von Fachjournalist:innen geprägt würde.
Zudem wurde die Befürchtung geäußert, dass die Redaktionen immer weniger spezialisierte Journalist:innen ausbildeten. T-Online Chefredakteur Schwennicke berichtete, dass er bei der Süddeutschen Zeitung sein erstes Jahr fast ausschließlich damit verbracht habe, sich tief in Themenfelder einzuarbeiten – noch ohne einen einzigen Kommentar schreiben zu dürfen. Diese Praxis sei verschwunden.
Möglicherweise trägt auch die Politik selbst zur Krise des Politikjournalismus bei. Politiker:innen nutzten die zugespitzte Berichterstattung oft ganz bewusst für ihre persönliche Profilierung. Wahlkampfrhetorik, Ankündigungen, die nicht eingelöst werden, dramatisierende Aussagen (Söder: „Weimarer Verhältnisse“) und strategisches Profilieren auf Kosten des Koalitionsfriedens breiten sich aus.
Tanjev Schultz, dfjv.de, 20.08.2026 (online)

