Zitiert: Grenzen zum Kriegsaktivismus scheinen fließend

Die Qualität der Berichterstattung in Nachrichtenmedien schätzen die Befragten zwar durchweg als recht gut ein, aber der genau Blick – z.B. auf Deutschland – lässt aufhorchen: Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich zwar aktuell informiert, aber deutlich weniger als die Hälfte hat das Gefühl, genügend über die Auswirkungen des Kriegs oder über die verschiedenen Sichtweisen zu erfahren.

Mehr erklären, auch damit gerade Jüngere die Hintergründe des Kriegs besser verstehen, dürfte Medien weniger schwer fallen, vermutlich aber die Erwartung, dass sie den Ukrainekrieg stärker aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Denn genau an diesem Punkt hat sich eine mediale Schlagseite etabliert. Sie erfasst nicht alle Medien, aber viele und ist aus mehreren Gründen riskant. Zweierlei fällt besonders ins Gewicht: Die schier bedingungslose, freiwillige Solidarität mit der Ukraine bis hin zu einer Art „Wir-Gefühl-Rausch“, und die Unerbittlichkeit, mit der jene angegriffen und in Schubladen gesteckt werden, die andere Argumente vorbringen. […]

In vielen Talkrunden und Kommentaren wird zum „Wir“ aufgerufen. Mehr Zurückhaltung wäre besser – und an sich selbst adressiert müsste Journalistinnen und Journalisten klar sein, dass sich im „Wir“ auch die Wirksamkeit öffentlicher Diplomatie (Public Diplomacy) widerspiegelt. Das „Wir“ ist ein ukrainisches Narrativ.

Marlis Prinzing, meedia.de, 17.6.2022 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)