Wie der Moderator und Holocaust-Überlebende Hans Rosenthal mit den Mitteln des Showfernsehens gegen die kollektive Verdrängung der deutschen Juden arbeitete. […]
Lange bevor Richard von Weizsäcker diese Worte bemühte, beschrieb Rosenthal in der Hörzu, dass er sowohl die amerikanischen Bomber als auch die Soldaten der Roten Armee als Befreier erachtete – und zwar nicht nur als seine Befreier. Dabei ging es ihm in erster Linie um die hearts and minds der nichtjüdischen Deutschen, die mit Ab- und Gegenwehr auf die kritische Aufarbeitung des Holocaust reagierten. Sie aufgrund der Glaubwürdigkeit, die er sich als landauf landab populärer Unterhalter, aber auch als staatsloyaler Verteidiger der Bundesrepublik erarbeitet hatte, mit seiner Geschichte zu erreichen und ihre Sicht auf Juden und die deutsch-jüdische Geschichte zu verändern, war sein Ziel.
Anne Giebel, sueddeutsche.de, 01.04.2025 (online)