Repräsentanten – von was und von wem auch immer – sind im Genre Interview deutlich besser aufgehoben als im Genre Gastbeitrag. Dort werden sie gefordert: indem sie auf Nachfragen reagieren müssen, indem sie selber formulieren, statt formulieren zu lassen, indem sie die Chance zur Schlagfertigkeit bekommen. Wer gefordert wird, ist immer interessanter als jemand, der sich ausbreiten darf.
Gastbeiträge von Amtsinhabern mögen mitunter zitiert werden; gelesen werden sie kaum. Die SZ lehnt diese Angebote praktisch alle ab. Ein gut geführtes Interview mit Mario Voigt oder Karsten Wildberger kann beide Seiten schmücken, die Politiker und die Redaktion. Und Letztere sollte sich immer vor Augen führen, dass sie dies ist: eine Redaktion – aber keine Druckerei.
Detlef Esslinger, sueddeutsche.de, 19.06.2026 (online)

