W Social soll einen vertrauenswürdigen Raum schaffen, in dem Nutzer ohne algorithmische Empörungsmaschinerie diskutieren können. Seit dem 9. Mai läuft die Testphase, im Juni soll die Beta-Version starten. Nutzer, die sich für das soziale Netzwerk anmelden wollen, müssen sich über eine eigene App mit Personalausweis und Gesichtsscan identifizieren, wobei anonyme Accounts weiter möglich sind. […]
Das Start-up hat im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt und sich mit dem früheren Vizekanzler und FDP-Wirtschaftsminister Philip Rösler sowie der Bundesdatenschutzbeauftragten Luisa Specht-Riemenschneider prominente Unterstützung an Bord geholt. Gründerchefin Zeiter, eine deutsche Juristin, die in Zürich lebt, präsentierte das Projekt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und gab zahlreiche Interviews in deutschsprachigen Medien. „Das Ziel ist es, europäische Medien auf die Plattform zu holen“, erklärt Zeiter im Gespräch mit dem Tagesspiegel. […]
W Social steht beispielhaft für die Airportisierung des digitalen öffentlichen Raums, wo versucht wird, mit strengen Sicherheitskontrollen auf Freiheitsbedrohungen zu reagieren. So könnte W Social am Ende zu einem elitären Club mit Lounge-Charakter werden. Die Trolle und Bots bleiben draußen. Aber die interessanten Debatten vielleicht auch.
Adrian Lobe, tagesspiegel.de, 26.05.2026 (online)

