Für meine Buchrecherche besuchte ich die Redaktion der Jungen Welt. „Sie lügen wie gedruckt, wir drucken, wie sie lügen“ lautet deren Selbstverständnis. Als würden wir hierzulande in einer Welt von korrupten und verlogenen politischen Eliten leben, wo NATO und ein kriegstüchtiger Verteidigungsminister uns mit Märchen füttern, und nur die junge Welt hält wacker dagegen. Ich teile diese Sichtweise nicht, aber die Diskussion mit Chefredakteur Nick Brauns war sehr interessant, und ich habe dazugelernt: Am Ende liegen wir nicht bei einzelnen Fakten auseinander, sondern beim großen Ganzen, den politischen Kausalzusammenhängen. Und ich glaube, dass es für so was Raum geben muss. Ich glaube auch, dass eine journalistische radikale Infragestellung von herrschenden politischen Narrativen der Debatte gut tut. Die ganze Idee des Grundrechts auf Meinungsfreiheit ist, dass Minderheitsauffassungen besonders geschützt werden, gerade die unpopulären und die empörenden. Ich warne sehr vor dem Glauben, dass der Staat dagegen vorgeht.
Ronen Steinke, (M)verdi, 31.03.2026 (online)

