Erst holt man die Pensionär:innen zurück. Dann schaut man, ob es auch ohne sie geht, um im laufenden TV-Programm die nächste Stufe der Kosteneinsparung zu zünden: Im September zeigte RTL erstmals Folgen von „Ulrich Wetzel – Das Strafgericht“, bei denen aus existierendem Material per Künstlicher Intelligenz neue Charaktere, Storylines und Urteile erstellt wurden.
Und mal abgesehen davon, dass man in Köln damit einen interessanten Präzedenzfall zur neuen KI-Kennzeichnungspflicht geschaffen hat, der die Landesmedienanstalten ob ihrer Vielleicht-Zuständigkeit zum Implodieren bringen könnte: Wenn der Sender es vorher nicht explizit angekündigt hätte, wäre es vermutlich niemandem aufgefallen.
Nicht, weil die KI so perfekt gearbeitet hat. Eher im Gegenteil. Aber wer kann schon mit Bestimmtheit sagen, ob die Anklage der jungen Reiseleiterin, die eine mitreisende Dame wegen starker Rückenschmerzen mit heimlich unterm Kinesio-Tape angebrachten Nikotinpflaster vergiftet haben soll, um sich ungestört an deren erwachsene Enkelin ranmachen zu können, nun einer künstlichen oder einer unkünstlichen Nichtintelligenz entsprungen ist?
Peer Schrader, dwdl.de, 26.09.2026 (online)

