Werner Herzog hat KI-Filme „seelenlos“ genannt, und ich verstehe jeden, den dieses Urteil tröstet. Nur ist es als Trost zu billig. Die Seele kommt nicht von allein in den Film, weil ein Mensch ihn gemacht hat; auch von Menschen wird sehr viel Seelenloses gedreht. Sie kommt hinein, wenn jemand etwas riskiert. Die Maschine senkt die Kosten des Herstellens, nicht die des Wagnisses. Das finanzielle Risiko mag mit den Budgets sinken – das künstlerische wird dadurch nur sichtbarer, weil sich niemand mehr hinter dem Aufwand verstecken kann.
Es geht nicht um die Wahl zwischen Widerstand und Unterwerfung. Sondern um die Aufgabe der Aneignung. Wir müssen eigene Daten- und Publikumsbeziehungen aufbauen, statt nur Inhalte zu liefern. Wir müssen unsere Kataloge lizenzieren, zu unseren Bedingungen, statt zuzusehen, wie sie ungefragt verdaut werden. Und wir sollten die Maschine früh in den kreativen Prozess holen, als Sparringspartner, nicht als Taktgeber.
Die Entscheidung, gegen alle Wahrscheinlichkeit das Eigenwillige zu machen, bleibt unser Monopol. Die Maschine kann inzwischen fast jede Form erzeugen. Bedeutung erzeugt sie noch nicht.
Martin Moszkowicz, sueddeutsche.de, 21.08.2026 (online)

