Schon der erste große Digitalisierungsschub hat bei aller technologieoptimistischen Euphorie letztlich zu einem Kontrollverlust geführt, indem die Verbreitung medialer Inhalte auf große, meist US-amerikanische Plattformen verlagert wurde. […] Weil diese Märkte unsere demokratische Öffentlichkeit prägen, muss diese sich oftmals wehrlos anpassen, wenn wir nicht politische Regeln wie den ersten Medienstaatsvertrag durchsetzen.
Mit den Möglichkeiten der generativen KI nähert sich die Plattformlogik nun auch von der anderen Seite den klassischen Mediengeschäftsmodellen, übernimmt die Aufarbeitung des Wissens, die Produktion von Bildern und Geschichten und damit die Vorproduktionsstufe medialen Inhaltsschaffens. Es ist von dort nur noch ein kurzer technologischer Sprung, bis der gesamte Kreationsprozess voll digital organisierbar ist. […]
Europa braucht schleunigst einen eigenen dritten Weg der Digitalisierung. Nicht um bestehende Angebote nachzubauen, sondern um bei den nächsten Innovationssprüngen mit unseren eigenen kulturellen Vorstellungen entsprechender Angebote dabei zu sein: offen, gesellschaftszentriert und kollaborativ. […]
Carsten Brosda, faz.net, 03.01.2026 (online)

