Zitiert: Landtagswahlen sind fast nie Stimmungstests für den Bund

Man kann das für ein Problem des Hauptstadtjournalismus halten: In einer Art Automatismus werden die komplexesten Probleme nicht selten der „Berlin“-Logik unterworfen, und jede Landtagswahl wird fast nur noch als Stimmungsbild für die nächste Bundestagswahl und daraus möglicherweise resultierende Personalfragen interpretiert. Man kann in der medialen Fixierung auf Personen auch eine ökonomische Entscheidung vermuten. Personen klicken einfach besser, wie es Victoria Reichelt, Moderatorin von „ZDF heute live“, am Mittwochabend in der „Maischberger“-Sendung erstaunlich freimütig formulierte: „In einer idealen Welt würden wir Politik vor allem auf einer inhaltlichen Ebene besprechen. Aus einer Medienmacherinnensicht kann ich sagen: Das interessiert die Leute oft gar nicht so sehr wie die Personaldebatte, und gerade die Spitzenpolitik lebt ja von Persönlichkeiten.“

Der Effekt aber ist fatal. Wenn viele Wählerinnen und Wähler angeben, mit ihrer Stimme der Bundesregierung einen „Denkzettel“ verpassen zu wollen, dann auch deshalb, weil sie sich in ihren Belangen und Problemen von dieser nicht genug wahrgenommen und angesprochen fühlen. Sie gehen also zur Wahl und geben ihre Stimme ab – um im Anschluss eine Debatte über einen „Kanzlertausch“ mitzuverfolgen, die mit ihrer Realität und ihren Problemen nicht nur nichts zu tun hat, sondern darüber hinaus den Eindruck verstärkt, dass in Berlin in einer Art sich verselbständigendem Spiel multipler Personalszenarien aufs Neue etwas über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Das Vertrauen in die Politik erodiert so nur noch mehr.

Julia Encke, faz.net, 19.09.2026 (online)

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Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)