Dass die Medien so wenig über Menschen in ärmeren Ländern berichten, sei „fatal“, sagt der Frankfurter Medienforscher Ladislaus Ludescher. Er fordert, Medienhäuser sollten die Angebote von Reporter-Netzwerken besser nutzen. […]
Die Folgen der medialen „Nichtbeachtung“ seien für viele Menschen „fatal“, sagte der Mitinitiator des Netzwerkes „Der Globale Süden in den Medien“ am Dienstag bei den Südwestdeutschen Medientagen in Landau. Thema der Tagung war der Umgang der Medien mit Gewalt.
Viele Menschen in ärmeren Ländern hätten das Gefühl, ihre Konflikte spielten keine Rolle, sagte Ludescher. Sie litten, weil oft Hilfe ausbleibe. Medien in Deutschland legten ihren Fokus auf den reichen globalen Norden, weshalb viele Probleme untergingen. Dies erzeuge bei den Betroffenen ein Misstrauen gegenüber „dem Westen, der seine Glaubwürdigkeit verkauft“, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Frankfurter Goethe-Universität.
Medienhäuser müssten kein zusätzliches Geld ausgeben, um ihren Anteil an der Berichterstattung über den globalen Süden von derzeit zehn auf 30 Prozent zu erhöhen, machte Ludescher deutlich. Sie könnten Netzwerke von Reportern nutzen, die aus diesen Weltregionen berichten.
In den deutschen Medien überwögen negative Berichte über den globalen Süden, etwa über Kriege, Krisen und Katastrophen, sagte Ludescher. Dies führe letztlich zu einem Desinteresse bei den Mediennutzern, die sich fragten: „Warum soll ich mich denn engagieren, wenn es nicht hilft?“
epd medien, 23.06.2026 (online)

