Wenn wir nichts mehr dagegen vorbringen können, dass eine künstliche Intelligenz Texte übersetzt – die immer auch auf anderen Texten basieren –, warum sollte dann etwas dagegen einzuwenden sein, dass sie auch Texte erzeugt, und zwar aus dem gespeicherten Reservoir schon erzeugter Texte heraus, mit dem sie trainiert wurde?
Was soll ein Text? Ist es tatsächlich seine wesentliche Eigenschaft, dass er etwas Neues enthält? Hängt nicht der Buchmarkt aktuell von Genretexten ab, die in den Bereichen Krimi, New Adult, Fantasy genau dadurch reüssieren, dass sie alte Motive neu arrangieren? Und kann das die KI nicht besser als jeder vor sich hin skribierende Mensch?
Antworten auf die hier gestellten Fragen liegen nicht in der Technik. Es sind die Menschen, die sich fragen müssen, welchen Journalismus sie wollen und wozu sie Texte brauchen. Viel Zeit zum Abwarten bleibt nicht.
Ambros Waibel, taz.de, 17.06.2026 (online)

