Zitiert: Neue ARD-Anrufsendung „Mitreden!“

Angeblich diskutiert in einer neuen ARD-übergreifenden Anrufsendung ganz Deutschland mit. Naja, ganz Deutschland ist dann doch nicht dabei. Und diskutiert wird eigentlich auch nicht. […]

Im Zuge der Sparmaßnahmen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk feierte nämlich vor einigen Wochen eine neue Call-in-Sendung Premiere, als Zusammenschaltung einer ganzen Reihe von ARD-Infowellen (BR24, HR Info, NDR Info, rbb24 Inforadio, SWR Aktuell). Sie wird jeden Montag und Donnerstag zwischen 20.15 und 22 Uhr ausgestrahlt, im Wechsel von BR, NDR und RBB produziert und heißt „Mitreden! Deutschland diskutiert“. […]

Bis auf ganz kleine Ausnahmen bekommen die Anrufenden nicht die Gelegenheit, noch ein zweites Mal das Wort zu ergreifen, um auf die Diskussion ihres Beitrages zu reagieren. […]

Eine Diskussion mit den Anrufenden kommt nicht zustande, die Sendung ähnelt eher einer kommentierten Audio-Leserbriefseite. Sie funktioniert, wenn man despektierlich sein möchte, wie eine Panelshow, bei der die Studiogäste eben nicht über Hits vergangener Jahrzehnte oder Videoausschnitte aus alten Talkrunden reden, sondern über die Kurzreferate der Anrufer. Das – das muss ich sagen – machen sie ganz hervorragend. […]

Was mir bei „Mitreden!“ als Erstes aufgefallen ist, ist die Selbstinszenierung: Der Untertitel „Deutschland diskutiert“ und das dramatische, an klassische Fernsehnachrichtensendungen erinnernde Jingle legen nahe, dass hier etwas Repräsentatives und Kontroverses passiert. Dieser Anspruch und der tatsächliche Inhalt klaffen aber weit auseinander. […]

Statt „Mitreden! Deutschland diskutiert“ wäre „Was sagen! Ein Panel kommentiert“ der ehrlichere Titel.

Matthias Warkus, uebermedien.de, 14.06.2024 (online)

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Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
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Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)