„No Other Land“ gewinnt einen Oscar, aber nicht die Aufmerksamkeit der Medien. Dabei könnte Journalismus alles benennen, was in Nahost geschah und geschieht. […]
Die Oscars um acht Uhr morgens: Ich finde auf tagesschau.de keinen Hinweis darauf, dass „No Other Land“ den Oscar für den besten Dokumentarfilm bekommen hat – die vielfach preisgekrönte Produktion, die Probleme der palästinensischen Bevölkerung mit ihrer Behandlung durch Siedler und die israelische Armee beschreibt, was dann auf der Berlinale zu Kritik an Israel führte, die nicht erwünscht war.
Die Politik hatte nämlich gerade beschlossen, der Kunst an Kunstfreiheit zu nehmen, was sie nicht mehr für angemessen hält, wegen der „Staatsräson“. Und nun wird der neue Preis für den Film in der Meldung von 5.22 Uhr auf tagesschau.de einfach nicht erwähnt. Sicherheitshalber, der Eindruck drängt sich auf – strukturelle Rückgratlosigkeit, Staatsräsonjournalismus. Es wird nur der Teil der Wirklichkeit vermeldet, mit dem man oben keinen Ärger bekommt.
Robin Detje, taz.de, 03.03.2025 (online)