In den knapp zwei Jahrzehnten, die ich im Journalismus bin, gab es jedes Jahr Fortbildungen, die dem Personal die Phrasen und Klischees austreiben sollen. Erfolgsquote: null. Weiterhin starten Reportagen mit dem Lokalkolorit vermitteln wollenden Taxifahrergespräch und enden Kommentare mit einem entschiedenen „bleibt abzuwarten“.
Der Vergeblichkeit, dem geschriebenen Journalismus lebendige Sprache einzuhauchen, entspricht kaum überraschend die inzwischen erreichte technologische Stufe, dass auch künstliche Intelligenz Stuss schreiben kann.
Jede morgendliche Presseschau im Radio durch die Kommentare der Zeitungen vermittelt zudem überdeutlich, dass hier weder formal noch inhaltlich etwas Neues verhandelt wird. Mit ein bisschen Fantasie und Lektüre lassen sich die allermeisten Kommentare mit dem Stichwort „Straße von Hormus“ selbst schreiben. Und Korrespondenten, die angeblich aus Krisenregionen berichten, werden meist in Städten erreicht, die vom Geschehen nicht viel weniger fernab liegen als Berlin oder Oelde.
Wenn das die Lage ist, in der sich der Journalismus befindet, dann müssen wir grundsätzlich fragen, was von ihm in der Konfrontation mit der KI übrig bleibt.
Ambros Waibel, taz.de, 17.06.2026 (online)

