Zitiert: Overblocking ist real

(Underblocking übrigens auch: Vieles, was illegal ist, wird zu spät oder nicht gelöscht.) Overblocking wie Underblocking ist ärgerlich, freiheitsrelevant und demokratietheoretisch problematisch. Doch die entscheidende Frage lautet: Wer verursacht es?

Der DSA verpflichtet Plattformen nur zur Entfernung illegaler Inhalte. Für legale, wenn auch problematische Inhalte verlangt er keine Löschung, sondern Risikobewertungen und Transparenz. Wenn Plattformen überschießend löschen, geschieht dies nicht im staatlichen Auftrag, sondern aus ökonomischer Vorsicht, aufgrund unzureichender Moderationssysteme oder wegen interner Anreizstrukturen. Overblocking ist somit kein Beleg für staatliche Zensur, sondern für die strukturelle Macht privater Plattformen – jene Macht, die der DSA begrenzen soll.

Das ist der Kern des Digital Services Act. Er ist kein Instrument staatlicher Meinungssteuerung, sondern eine Antwort auf den Einfluss privater Plattformen auf den öffentlichen Diskurs. Er verschiebt diese Macht, begrenzt sie, macht sie weltweit erstmals überprüfbar. Er zwingt Plattformen, ihre Moderationsentscheidungen zu erklären, eröffnet Nutzern Beschwerde- und Rechtsbehelfe und bindet private Kommunikationsordnung an öffentliche Grundrechtsstandards. Das ist keine Einschränkung von Meinungsfreiheit, sondern ihre institutionelle Absicherung.

Matthias C. Kettemann, Wolfgang Schulz, faz.net, 04.03.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)