Als Berater ist man dann gut, wenn man die Tatsache akzeptiert, dass Politiker die Wirklichkeit nie objektiv sehen können. Regierende sind absorbiert von ihrer Aufgabe, voll konzentriert auf ihre Ziele – anders könnten sie den Job gar nicht machen, es erfordert ungeheuer viel Energie und Überzeugungskraft. Als guter Berater hat man ein anderes Temperament, man ist distanzierter, nicht so festgelegt. Die Schwierigkeit liegt darin, dem Politiker andere Perspektiven wirklich nahezubringen. Kein Politiker mag den Widerspruch, keiner schätzt es, herausgefordert zu werden. Es gibt also eine natürliche Spannung zwischen Berater und Politiker.
Giuliano da Empoli, sueddeutsche.de, 02.04.2026 (online)

