Das größte Problem, die größte Unbekannte im Thema spricht der Spiegel dabei nur am Rande an: Die Streamingdienste kämpfen nicht nur mit unterschiedlichen Preisen, sondern versuchen verzweifelt, ihr Profil zu schärfen – so sie denn eines haben. Tatsächlich lässt sich bei keinem der Anbieter, ob Amazon Prime Video, Netflix, Disney+ oder AppleTV+, eine eindeutige inhaltliche Linie erkennen. […]
„Eigentlich sind Streamer mit dem Versprechen auf mehr Entscheidungsfreiheit angetreten. Doch immer mehr Kunden wollen sich berieseln lassen. Darauf reagiert der Markt – mit einer Rückkehr zum linearen Fernsehen.“
Und weil „Berieseln“ etwas zu negativ konnotiert für das Buhlen um Kundschaft ist lässt der Prime Video Chef Deutschlands in dem Artikel fast beiläufig einen weiteren hochinteressanten Satz fallen: „Der Kundschaft soll dadurch ermöglicht werden, ‘sich zurückzulehnen und einen Programmvorschlag machen zu lassen, wenn sie mal selber keine Entscheidung treffen will.‘“ […]
Dass Streamingdienste trotz mittlerweile fast aktiven 30 Jahren immer noch erschreckend wenig Einblick in ihre Strukturen, Finanzen, Nutzungsdaten und inhaltliche Identifikationen gewähren, verkompliziert das Problem. […]
Aber eine Profilschärfung bringt eben auch eine Zielgruppen-Verengung mit sich. Und das will niemand.
Jenni Zylka, MDR Altpapier, 16.01.2026 (online)

