Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Ersten und im Zweiten. Zur besten Sendezeit. Ein Jahr Krimi als Zeitdiagnose. […]
Es gehört zu den merkwürdigsten Routinen moderner Mediennutzung, dass sich Millionen Zuschauer behaglich einrichten, während auf dem Bildschirm gemordet wird.
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird von allen Seiten gelobt und kritisiert – was sinnvoll ist, schließlich wird es auch von allen finanziert. Und es bietet vieles, manches doppelt und dreifach. […]
Damit sie sich selbst ein Urteil bilden, hat unser Autor eine Mordsarbeit unternommen: Er hat über 400 öffentlich-rechtliche Fernsehkrimi-Morde gezählt und sich die Mühe gemacht, uns eine Anschauung davon zu geben, indem er – ähnlich wie in Programmzeitschriften, aber mit anderer Absicht – den Handlungskern, das Verbrechen, in Sätze gefasst hat, die eine ganz eigene, unbeabsichtigte Prosa entfalten.
Was folgt, ist kein Lesestoff, der atemlos, mit klopfenden Herzen, einem Spannungsbogen folgend, von Anfang bis zum Ende durchgelesen werden will, sondern ein Panorama des Schreckens – mit bezeichnenden, manchmal unfreiwillig komischen Zusammenraffungen –, das den Blick auf unsere Gegenwart auf eigentümliche Weise erhellt.
Christian Bartels, Telepolis, 05.01.2026 (online)

