Zitiert: So stirbt das Land im Fernsehen

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Ersten und im Zweiten. Zur besten Sendezeit. Ein Jahr Krimi als Zeitdiagnose. […]

Es gehört zu den merkwürdigsten Routinen moderner Mediennutzung, dass sich Millionen Zuschauer behaglich einrichten, während auf dem Bildschirm gemordet wird.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wird von allen Seiten gelobt und kritisiert – was sinnvoll ist, schließlich wird es auch von allen finanziert. Und es bietet vieles, manches doppelt und dreifach. […]

Damit sie sich selbst ein Urteil bilden, hat unser Autor eine Mordsarbeit unternommen: Er hat über 400 öffentlich-rechtliche Fernsehkrimi-Morde gezählt und sich die Mühe gemacht, uns eine Anschauung davon zu geben, indem er – ähnlich wie in Programmzeitschriften, aber mit anderer Absicht – den Handlungskern, das Verbrechen, in Sätze gefasst hat, die eine ganz eigene, unbeabsichtigte Prosa entfalten.

Was folgt, ist kein Lesestoff, der atemlos, mit klopfenden Herzen, einem Spannungsbogen folgend, von Anfang bis zum Ende durchgelesen werden will, sondern ein Panorama des Schreckens – mit bezeichnenden, manchmal unfreiwillig komischen Zusammenraffungen –, das den Blick auf unsere Gegenwart auf eigentümliche Weise erhellt.

Christian Bartels, Telepolis, 05.01.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)