Zitiert: Social Media für Kinder verbieten? So einfach ist es nicht

Verbote klingen einfach – doch Juristen, IT-Forscher und Neurowissenschaftler warnen vor ganz anderen Problemen. […]

Bevor über konkrete Gesetze gesprochen wird, lohnt ein Schritt zurück: Gibt es überhaupt gute Gründe für die Annahme, dass ein Verbot Kinder wirksam schützen könnte? Fachleute für Digitalpolitik haben daran erhebliche Zweifel. […]

Der bereits geltende Artikel 28 des Digital Services Act verlange ein „hohes Maß an Privatsicherheit und Schutz für Kinder und Jugendliche auf Onlineplattformen“ – also im Kern altersgerechte Angebote statt Komplettsperren. […]

Auch wer ein Verbot grundsätzlich befürwortet, muss sich mit einer Reihe unangenehmer Folgefragen auseinandersetzen. Die erste liegt paradoxerweise im europäischen Recht selbst.

Der DSA als Sperrriegel für nationale Alleingänge. Der Digital Services Act regelt als europäische Verordnung bereits umfassend, was Plattformen dürfen und was nicht – Jugendschutz eingeschlossen. […]

Wer also will, dass ein Verbot tatsächlich greift und Plattformen in die Pflicht nimmt, muss den Umweg über Brüssel nehmen. Nationale Spielräume bestehen nur dort, wo nicht die Plattformen selbst, sondern etwa Eltern oder Endgeräte adressiert werden. […]

Was bleibt, ist ein Paradox: Die politische Dynamik ist enorm, der Wille zum Handeln offenkundig. Doch je genauer man hinschaut, desto klarer wird, dass ein Altersverbot allein weder die Ursachen noch die Symptome zuverlässig adressiert. Die wirksamsten Hebel – Algorithmen-Design, Plattformarchitektur, Geschäftsmodelle – liegen tiefer. Und sie erfordern nicht weniger politischen Mut, sondern mehr.

Bernd Müller, Telepolis, 26.02.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)