Zitiert: Sogar seriöse Medien kommen inzwischen oft boulevardesk daher

Für die mediale Besessenheit von Konflikten, politischen Strategie- und Personalfragen lassen sich viele Belege, auch Studien, anführen. Politikberichterstattung konzentriert sich oft stärker auf Prozesse und Strategien – auf das, was wir in der Politikwissenschaft „Politics“ nennen – und weniger auf die „Policies“, die Politikinhalte und Sachthemen.

Man kann zwar nach wie vor in einzelnen Formaten und Medienangeboten tiefe gute Informationen bekommen. Aber die Medienwelt drumherum beschäftigt sich viel mit einzelnen Zitaten oder mit Phänomenen wie einem wurstessenden Ministerpräsidenten, sozusagen mit Stil- und Haltungsnoten.

Diese Art von Berichterstattung hatte zwar auch früher schon Konjunktur, durch die Digitalisierung hat sie sich aber noch einmal verschärft. Das lenkt von einem rationalen, in Ruhe geführten inhaltlichen Diskurs ab. Darin sehe ich ein großes Defizit der Politikberichterstattung.

Wie gesagt: Es gibt immer noch sehr gute Formate, die tiefgründig informieren. Ich denke zum Beispiel ans ARTE Journal. Doch sogar im Grunde seriöse Medien wie Spiegel, FAZ, SZ oder Zeit kommen inzwischen oft boulevardesk daher. Die Welt ist angefüllt mit leicht verdaubarer Ware, die sich einfach gut klickt und gute Reichweiten erhält.

Tanjev Schultz, dfjv.de, 20.08.2026 (online)

Onlinefilm.org

Zitat der Woche
Gut zur Entgiftung des öffentlichen Diskurses wäre es, auch in den Beiträgen jener, die anders denken als man selbst, die klügsten Gedanken zu suchen, nicht die dümmsten. Man läuft natürlich dann Gefahr, am Ende nicht mehr uneingeschränkt Recht, sondern einen Denkprozess in Gang gesetzt zu haben.   Klaus Raab, MDR-Altpapier, 25.05.2020, (online)    
Out of Space
Auf seinem YouTube-Kanal „Ryan ToysReview“ testet der kleine Amerikaner Ryan seit März 2015 allerhand Spielzeug. Die Beschreibung des erfolgreichen Channels ist simpel: „Rezensionen für Kinderspiele von einem Kind! Folge Ryan dabei, wie er Spielzeug und Kinderspielzeug testet.“ Ryan hat 17 Millionen Abonnenten und verdient 22 Millionen Dollar im Jahr. Berliner Zeitung, 04.12.2018 (online)