Für die mediale Besessenheit von Konflikten, politischen Strategie- und Personalfragen lassen sich viele Belege, auch Studien, anführen. Politikberichterstattung konzentriert sich oft stärker auf Prozesse und Strategien – auf das, was wir in der Politikwissenschaft „Politics“ nennen – und weniger auf die „Policies“, die Politikinhalte und Sachthemen.
Man kann zwar nach wie vor in einzelnen Formaten und Medienangeboten tiefe gute Informationen bekommen. Aber die Medienwelt drumherum beschäftigt sich viel mit einzelnen Zitaten oder mit Phänomenen wie einem wurstessenden Ministerpräsidenten, sozusagen mit Stil- und Haltungsnoten.
Diese Art von Berichterstattung hatte zwar auch früher schon Konjunktur, durch die Digitalisierung hat sie sich aber noch einmal verschärft. Das lenkt von einem rationalen, in Ruhe geführten inhaltlichen Diskurs ab. Darin sehe ich ein großes Defizit der Politikberichterstattung.
Wie gesagt: Es gibt immer noch sehr gute Formate, die tiefgründig informieren. Ich denke zum Beispiel ans ARTE Journal. Doch sogar im Grunde seriöse Medien wie Spiegel, FAZ, SZ oder Zeit kommen inzwischen oft boulevardesk daher. Die Welt ist angefüllt mit leicht verdaubarer Ware, die sich einfach gut klickt und gute Reichweiten erhält.
Tanjev Schultz, dfjv.de, 20.08.2026 (online)

