Ja, besonders bei der Verbindung von öffentlichem Druck und beruflicher Abhängigkeit und bei den Ängsten, die die Selbstbeschränkung antreiben. In der Wissenschaft berichten Promovierende und Postdocs häufiger von Selbstzensur als Professor*innen; im Journalismus fallen die hohen Werte unter freien Mitarbeitenden auf. In beiden Befragungen nennen die Teilnehmenden zudem Angst vor Missverständnissen, Anfeindungen und beruflichen Nachteilen als primäre Gründe für Selbstzensur.
Die Sorge vor dem sozialen Tod ist im Konfliktfeld Israel/Palästina ganz augenscheinlich etwas, was die Wissenschaft und die Medien eint. Zudem kommt der Druck in beiden Feldern auch aus den eigenen Institutionen. Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass schon die Erwartung negativer Konsequenzen dazu führen kann, sich zurückzuhalten. Dafür braucht es kein ausdrückliches Verbot.
Jannis Grimm, FU Berlin, 13.10.2026 (online)
