Was tun die Deutschen eigentlich konkret, wenn im linearen Fernsehen beim ersten Einschalten oder Durchschalten absolut kein passender Inhalt läuft, der ihren Erwartungen entspricht?
In der Theorie würde man vermuten, dass unzufriedene Zuschauer in Zeiten von grenzenloser digitaler Auswahl sofort den Stecker ziehen und zu den großen Streaming-Anbietern flüchten. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: Das Fernsehen als gelernter, vertrauter Orientierungsraum ist in den Köpfen der Menschen offenbar so tief verankert, dass das klassische System die Nutzer selbst bei akuter Langeweile extrem effektiv bindet.
Wenn das aktuelle Fernsehprogramm enttäuscht, wählen die Deutschen folgendes Krisen-Management:
- 55,4 Prozent der Zuschauer schalten in den meisten Fällen einfach stur und beharrlich weiter durch die Kanäle. Sie verbleiben im linearen Raum und suchen dort nach einer Alternative.
- Nur 19,9 Prozent der Befragten machen kurzen Prozess, sind komplett frustriert und schalten das Fernsehgerät unmittelbar ganz aus.
- Gerade einmal 15,4 Prozent wechseln in diesem Moment der linearen Programmenttäuschung direkt zu einem Streaming-Angebot.
- Magerere 11,1 Prozent flüchten gezielt in eine der TV-Mediatheken der Sender.
Auch hier offenbart die AGF-Studie die unbarmherzige Kluft zwischen Jung und Alt. Während satte 65,7 Prozent der über 65-Jährigen bei Programmlangeweile unverdrossen weiterschalten, tun dies bei den 14- bis 29-Jährigen nur noch 48,1 Prozent. Im Gegenzug wechseln immerhin 26,1 Prozent der jüngeren Zuschauer in dieser Situation ohne zu zögern zu einem Streaming-Dienst
Manuel Weis, digitalfernsehen.de, 15.07.2026 (online)

