Wir haben seit einiger Zeit die Tendenz, über Parolen zu reden und nicht über die Realität. Das gilt für die Weltfinanzkrise, für die danach einsetzende Bankenrettung, auch für die Wiedervereinigung. Wir stoßen immer wieder darauf, dass man nicht die Realität bespricht, sondern darüber, was passieren kann, wenn man über die Realität in einer bestimmten Weise spricht. Dadurch ist eine Polarisierung entstanden. Der Hinweis, das sei ein AfD-Thema ist gleichbedeutend mit einer Gesprächsverweigerung. […]
Im Moment sehe ich die Demokratie keineswegs gefährdet. Dass Trump gewählt wurde, ist Ausdruck eines demokratischen Wechsels. Es ist ja niemand bei Leuten vorbeigegangen und hat gesagt: Entweder du wählst Trump oder ich schieße dich nieder. Die Menschen können wählen, wie sie möchten. Das finden zwar die, die gerade an der Macht sind, nicht so nett. Aber es ist nun mal so. Ich finde auch die deutsche Demokratie außerordentlich lebendig. Noch lebendiger wäre sie, wenn sie wieder dazu übergehen würde, offen zu sprechen und nicht so dogmatisch zu sein.
Werner Plumpe, berliner-zeitung.de, 23.11.2024 (online, paid)