Die Verdrängungshypothese unterstellt ein Nullsummen-Verhältnis, bei dem öffentlich-rechtliche Medien zulasten privater Anbieter profitieren. Die akademische Forschung legt aber eine andere Hypothese nahe, nämlich dass öffentliche Dienste als eine Form von Marktaufbereitung dienen können – also nicht einfach eine Nachfrage befriedigen, sondern die Nachfrage fördern und formen. In dieser Sichtweise bieten die Öffentlich-Rechtlichen eine einfache Vorspeise, die den Appetit anregt und das Interesse an anderen Anbietern erhöht, die oft eine tiefere Berichterstattung, eine entschiedenere redaktionelle Linie und deutlichere Meinungsäußerungen bieten. Das scheint nun auch die neue Schweizer Studie zu bestätigen, zu deren Befunden es ja gehört, dass SRG-Nutzer mehr Nachrichten in kommerziellen Medien konsumieren als Nicht-SRG-Nutzerinnen – vom ersten Gang wird man eben selten satt.
Rasmus Kleis Nielsen, zeit.de, 23.12.2024 (online)