Dass öffentlich-rechtliche Medien in der Tendenz eher liberal wirken, hat verschiedene Ursachen. Es hat wahrscheinlich damit zu tun, dass liberale Werte in den urbanen und akademischen Milieus, aus denen sich das Personal rekrutiert, stärker verbreitet sind als im Schnitt der Bevölkerung.
Vermutlich liegt es auch daran, dass Pluralismus, der Schutz von Minderheiten, die Abbildung von Vielfalt und das Ideal, dass eine unabhängige Instanz die Mächtigen auf Grundlage von Fakten kontrolliert, also das, wofür der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht, im Kern eher liberale Prinzipien sind.
Der Konservatismusforscher Thomas Biebricher unterteilt die Konservativen in seinem Buch „Mitte/Rechts“ in jene, die den liberalen Verfassungsstaat grundsätzlich akzeptieren, und in jene, die ihn zunehmend als Hindernis verstehen. Erstere kritisieren den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, können sich aber mit ihm arrangieren, Letztere empfinden ihn als Provokation.
Besonders gut ist das überall da zu erkennen, wo Rechtspopulisten und Rechtsextreme an der Macht sind. Hier gelten schon einfache journalistische Standards wie die Überprüfung von Fakten oder die Abbildung von Minderheitenperspektiven als liberal.
Ralf Heimann, MDR Altpapier, 08.01.2026 (online)

