Ich finde die Beschränkung auf einzelne Finanzierungs-Territorien fürchterlich, ich will eigentlich eine mindestens europäische Öffentlichkeit des Kinos. Almodóvar gelingt das. Mir ist’s bisher nicht vergönnt; aber mir gefällt der Gedanke, im Kino nationale Grenzen abzuschleifen. Was mich beeindruckt, ist das klassische Hollywood, dieser Schmelztiegel, dieses globale Exil für Franzosen, Deutsche, Ungarn. Die Hollywood-Filme dieser Zeit waren zum Teil gar nicht vorrangig amerikanisch. Das Idiom dieser Filme war international. Das ist leider verschwunden, eine ähnliche Universalität sehe ich in Europa derzeit nicht. […]
Hollywood war immer ein freimütiges Chiffre für eine internationale Industrie. Bei uns steht die nationale Distinktion im Vordergrund, und so funktioniert auch unsere Förderung. Das ist auf eine Weise schizophren. Deutscher Film will kulturell und kommerziell erfolgreich sein, er soll populär sein und Festivalpreise abräumen. Diese Gegensätze zerreißen das Kino. Man könnte viel eindeutiger sein. Das Kommerz-Kino sollte viel vulgärer, schneller, heißer sein. Wie ein Hotdog: Im Moment des Heißhungers ist ein Hotdog die Rettung. Aber nein, es wird veredelt, durch Porzellan. Aber ein Hotdog in der Porzellanschale ist Quatsch. Umgekehrt wird auch der Kunstfilm durch die tastemakers in der Förderung abgerundet. Beide Seiten sind damit benachteiligt. Förderung leistet man sich hierzulande nicht umsonst. Da stehen regionale, identitätspolitische Anforderungen hinter.
Christoph Hochhäusler, faz.net, 28.08.2026 (online)

