2019 gab es eine wohl einmalige Chance, gemeinsam mit Open-Source-Begeisterten ARD und ZDF an die Fediverse-Dienste anzubinden. Zum einen legten die Nutzerzahlen im Fediverse zu. Zum anderen entdeckten immer mehr Journalisten des ÖRR nicht nur, dass die Fediverse-Dienste im Crossmedia-Geschäft Vorteile durch offene Plattformen und Datensicherheit bieten. Sie sahen auch, dass die technischen Grundlagen auf der Basis des Activity-Pub-Protokolls die Basis für schnell und kostengünstig entwickelte eigene Angebote sind. Das Activity-Pub-Protokoll verbindet nämlich alle Dienste des Fediversums, sorgt für einen stabilen Datenaustausch und dafür, dass von jedem Account eines Dienstes auf alle Dienste im Fediverse zugegriffen werden kann. […]
Deshalb gab es aus dem journalistischen Maschinenraum ab dem Frühjahr 2019 auch deutlich vernehmbare Forderungen an die Geschäftsleitungen der Öffentlich-Rechtlichen: Kümmert euch um das Fediverse! Nutzt die Open-Source-Angebote für den Ausbau der Mediatheken zu wirklichen Digitalplattformen! Und spart vor allem viel Geld, das ihr bisher für YouTube, Instagram und Co. verballert!
Allein, diese Hinweise und Forderungen wurden ignoriert. Weiterhin flossen hohe Geldbeträge in Richtung der Plattformen amerikanischer und chinesischer Tech-Giganten. Daneben schwoll der Geldstrom in Richtung der Softwarebuden an, die sich um die Weiterentwicklung (mitunter auch „Transformation“ genannt) der Mediatheken kümmerten. Und irrwitzige Investitionen in bunte Powerpoint-Bildchen tätigten.
Peter Welchering, berliner-zeitung.de, 27.04.2026 (online)

