Interessant ist auch der Blick auf die Personalien der Geschäftsstelle und wie sie mittlerweile besetzt wurden. In öffentlich-rechtlichen Häusern gilt eigentlich der Grundsatz: Neue Stellen werden ausgeschrieben, Bewerbungen verglichen, Auswahlgespräche geführt. Für die drei Führungspositionen der Geschäftsstelle war genau das vorgesehen – real bewerben musste sich am Ende aber nur einer, und der ist auch noch ein Eigengewächs. Christoph Rosenthal, bislang Leiter „Zentrale Aufgaben“ im Generalsekretariat, übernimmt die Gesamtleitung der Geschäftsstelle. Alle weiteren Stellen können ohne offene, transparente Auswahl vergeben werden.
Möglich macht das ein Instrument, das die ARD selbst „Beistellung“ nennt: Statt eine Stelle regulär auszuschreiben, „stellt“ eine Landesrundfunkanstalt der Geschäftsstelle eigene Mitarbeiter zur Verfügung – Vertrag und Anstellung bleiben beim Heimatsender. Im Konzeptpapier der Intendanten heißt es dazu unumwunden: Kommt eine solche Lösung zustande, „kann die Ausschreibung entfallen“.
Es wird also wieder einmal ein nachvollziehbares, öffentlich einsehbares Verfahren umgangen und die Öffentlichkeit, respektive der Beitragszahler, erfährt nicht, warum im konkreten Einzelfall wie entschieden wurde, wer „beigestellt“ wird und wer sich bewerben muss. Denn eigentlich soll diese Beistellung eine Ausnahme sein. Inwiefern sie das am Ende sein wird, bleibt fraglich und müsste daher transparent gemacht werden.
Annekatrin Mücke, berliner-zeitung.de, 08.09.2026 (online)

